{Klassiker Special} Erich Ohser (e.o.plauen) – Vater und Sohn

by Lena G.
Vater und Sohn - von Erich Ohser (e.o.plauen)

© Südverlag

Im Moment interessiere ich mich für die Geschichten hinter den literarischen Klassikern, und die tragische Lebensgeschichte des Zeichners Erich Ohser hat mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt.

Mit dem Namen Erich Ohser oder seinem Künstlernamen e.o.plauen konnte ich bis vor Kurzem nicht viel anfangen. Seine “Vater und Sohn”-Zeichnungen hingegen, die kenne ich bereits mein Leben lang. Dass diese witzigen Bildergeschichten alt sind, wusste ich. Dass sie aber aus den 30er Jahren stammen, hat mich wirklich überrascht. Als ich dann las, dass sich Erich Ohser während des Zweiten Weltkriegs das Leben nahm, habe ich mich hingesetzt und ein wenig recherchiert.

Ich hoffe, ich habe jetzt eure Neugierde geweckt und würde mich freuen, wenn ihr ein wenig mehr über Erich Ohser erfahren möchtet. Denn ich persönlich finde, dass man seine persönliche Geschichte unbedingt weitererzählen sollte, denn sie darf einfach nicht in Vergessenheit geraten.

Der Hintergrund • Biografische Daten & Fakten

  • © e.o.plauen - Erich Ohser mit Pinseln

    © e.o.plauen – Erich Ohser mit Pinseln

    Nachdem der im Jahr 1903 geborene Erich Ohser erfolgreich seine Schlosserlehre beendete, studierte er gegen den Willen seiner Eltern von 1921 bis 1926 an der “Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe” in Leipzig.

  • Nebenbei arbeitete er bei der “Neuen Leipziger Zeitung”, wo er von seinem Redakteur Erich Knauf mit Erich Kästner bekannt gemacht wurde.
  • Nach dem Studium wurde er als Karikaturist und Buchillustrator bekannt. Er illustrierte auch die Gedichtbände seines  guten Freundes Erich Kästner, wie z.B. “Herz auf Taille” (erschienen im dtv)

  • Den Hass der Nationalsozialisten zog er bereits, vor deren Machtübernahme, mit seinen Karikaturen von Hitler und Goebbels auf sich.
  • Warum verwendete der Autor Erich Ohser den Künstlernamen e.o.plauen?

    1934 wurde ein Zeichner für eine in der “Berliner Illustrirten Zeitung” geplanten Comicserie, die eine Alternative zur amerikanischen Micky Maus sein sollte, gesucht. Erich Ohser reichte einen “Vater und Sohn”-Entwurf ein, der sehr gefiel.
    Da seine politischen Zeichnungen der Regierung allerdings zu weit gingen, wurde Erich Ohser nicht in die Reichskulturkammer aufgenommen. Durch diese Nichtaufnahme war es ihm zu seiner Zeit nicht erlaubt, Zeichnungen zu veröffentlichen.
    Um dieses Verbot zu umgehen, erhielt der Ullstein Verlag die Erlaubnis, nur unpolitische Zeichnungen Ohsers, die er unter Pseudonym veröffentlicht, abzudrucken.

    So kam es, dass er alle Zeichnungen mit seinen Initialen e und o versah und diesen ein p hinzufügte, die für seine Heimatstadt Plauen stand. Somit bedeutet e.0.plauen Erich Ohser aus Plauen.

  • Mit seiner ersten gezeichneten Bildergeschichte “Der schlechte Hausaufsatz (1934)” erreichter er ein großes Publikum und veröffentlichte bis 1937 wöchentlich eine seiner gewitzten Geschichten.

    ©e.o.plauen – “Der schlechte Hausaufsatz”

  • 1937 beendete Ohser auf eigenen Wunsch seine “Vater und Sohn”-Serie, da sich andere Karikaturisten über die Langlebigkeit seiner Reihe lustig machten. In der letzten Bildergeschichte verabschiedeten sich Vater und Sohn vom Publikum, in dem beide in Richtung Horizont laufen und dann in den Himmel entschweben.
    ©e.o.plauen | "Abschied"

    ©e.o.plauen | “Abschied”

  • 1940 trat er eine Stelle bei der Wochenzeitschrift “Das Reich” an.
  • 1942 entwickelte er, in der von Goebbels gegründeten Firma, “Deutschen Zeichentrickfilm GmbH”, einen kurzen Zeichentrickfilm. Trotz dieser Tätigkeit lehnte Ohser Minister Goebbels und den Nationalsozialismus ab.
  • 1944 Ohser wurde von seinem Nachbarn an die Nationalsozialisten verraten, da dieser seine Abneigung gegen das Regime nicht mehr verheimlichen konnte.
  • 1944 Erich Ohser und sein enger Freund Erich Knauf wurden verhaftet. Einen Tag vor Prozessbeginn erhängte sich Ohser in seiner Gefängniszelle und nahm in einem Abschiedsbrief alle Schuld auf sich, um seinen Freund Knauf vor dem Todesurteil zu bewahren. Knauf wurde wenige Tage später, im Mai 1944 hingerichtet.
  • 2016 “Vater und Sohn” leben noch immer!
Der Jubiläums-Schuber

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Zum 70. Verlagsjubiläum hat der Südverlag die berühmten “Vater und Sohn”-Geschichten von Erich Ohsers liebevoll nachkolorieren lassen und als limitierte Sonderausgaben veröffentlicht.
In einem kleinen, ebenfalls limitierten Schuber befinden sich zwei Bände, mit den 33 schönsten und 33 lustigsten Geschichten des drolligen Zweiergespanns.

Egal ob jung oder alt, die liebenswerten Bildergeschichten, die ohne Worte auskommen, begeistern Generationen. Der tiefgründige Humor hat einen überraschend hohen Unterhaltungswert und über die Jahre nicht an Witz verloren.

Man kann einfach nicht anders, als den sanftmütigen Vater, mit seinen buschigen Augenbrauen und dem Riesenschnurrbart, und den gewitzten Sohn ins Herz zu schließen. Ihre innige Beziehung steht in jeder Geschichte im Vordergrund und man spürt immer den inneren Kampf des Vaters. Auf der einen Seite möchte er seinen Sohn mit mehr Strenge begegnen und ihm nicht alles durchgehen lassen. Doch die Liebe zu ihm ist übermächtig, sodass er am Ende immer wieder weich wird. Und der Leser erkennt schnell, dass der Vater im Herzen selbst noch ein Kind ist.

Mein Fazit

Ich liebe die Geschichten von „Vater und Sohn“ und finde die nachkolorierte Neuauflage einfach nur schön. Im Quellennachweis hat der Verlag alle Titel der Bildgeschichten noch einmal aufgeführt und durch das Jahr der jeweiligen Erstveröffentlichung ergänzt. Ebenso befindet sich im hinteren Teil der Bücher ein Nachwort, in dem Hans Joachim Neyer (Direktor des Wilhelm-Busch Museums, in Hannover) Erich Ohser in einem gekürzten biografischen Text gedenkt.

Eine klare Empfehlung für alle Ohser-Fans und die, die es noch werden wollen.

Bewertung 5 Star gold

Bibliografie

Die 66 schönsten Vater und Sohn-Bildergeschichten in Farbe
– als limitierte Sonderausgabe –
Schuber mit den 2 Büchern “Vater und Sohn. Zwei, die sich verstehen” & “Vater und Sohn. Zwei die sich lieben”
ISBN: 978-3878000860 | Verlag: Südverlag
Preis: 28 €
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