Home Allgemein Im Gespräch mit Rebecca Gablé

Im Gespräch mit Rebecca Gablé

by Lena G.
2.155 views

Rebecca Gablé – © Olivier Favre

Am vergangenen Freitag durfte ich im Rahmen der Frankfurter Buchmesse Rebecca Gablé, die in meinen Augen einfach die beste Autorin für historische Romane ist, treffen, um ein wenig mit ihr zu plaudern, und ich bin nach dieser Stunde, die im Nu verflog, ein noch größerer Fan von ihr geworden.

In den folgenden Abschnitten versuche ich, dass Gespräch so gut es geht wiederzugeben.

Bevor Frau Gablé anfängt eine neue Romanidee zu plotten, wird natürlich recherchiert, und das ausgiebig und sehr genau.

Auf die Frage, wie sie dabei diese ganzen Geheimnisse, die in keinem gewöhnlichen Geschichtsbuch und auch nicht beim scheinbar alles wissenden Wikipedia zu finden sind, aufdeckt, erzählte sie uns, dass sie am liebsten gebrauchte, alte Geschichtsbücher in der jeweiligen Landessprache zusammensammelt und sich Stück für Stück in die Materie einarbeitet und sich dabei von Quellenverweis zu Quellenverweis hangelt.

Nebenbei beginnt sie dann, die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse zu notieren. Da gibt es dann solche, die unbedingt in die Handlung gehören und kleinere interessante Ideen, die sich für einzelne Szenen zwischendrin eignen. Dabei kann es auch mal passieren, dass sie vor lauter Notizen einige Ideen schlichtweg vergisst, die es dann nicht mehr in die Geschichte schaffen.

Natürlich bin ich, wie alle Gablé-Fans, ein ganz großer Fan der Waringhams und für all die gibt es eine hoffnungsvolle Neuigkeit: Frau Gablé denkt tatsächlich darüber nach, die Saga fortzusetzen und die Zeit der Regentschaft von James VI. König von Schottland, der auch James I. König von England war, in eine unterhaltsame Geschichte zu verwandeln. Denn auch ihr Herz hängt an den Waringhams, wobei sie dann leider gezwungen wäre, ihren geliebten Charakteren diese fürchterlichen Perücken aufzusetzen, die zu dieser Zeit en vouge waren.

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, eine Art Spin-off der Waringham-Saga zu machen, kam nach einem kleinen Zögern doch ein Nein. Es ist eben schwierig eine komplett neue Geschichte, mit den gleichen historischen Schlüsselereignissen und der gleiche Kulisse, zu schreiben, ohne die Saga indirekt zu wiederholen. Wenn überhaupt, dann könne es nur eine Story sein, die in der Unterschicht spielt und nicht in der Nähe der adeligen Gesellschaft oder gar dem des Königshauses.

Aktuell arbeitet sie an dem zweiten Sachsen-Roman (die Fortsetzung von „Das Haupt der Welt“ – UPDATE: “Die fremde Königin“) und sie hat uns verraten, dass es einen großartigen weiblichen Charakter geben wird, dessen historische Fakten ausgesprochen interessant und bemerkenswert sind. Ebendieser Charakter wird eine der tragenden Rollen im Roman übernehmen, wobei Frau Gablé eigentlich viel besser mit männlichen Protagonisten arbeiten kann.

Vor ein paar Jahren veröffentlichte sie mit „Von Ratlosen und Löwenherzen ihr einziges Sachbuch über das Englische Mittelalter. Es wird wahrscheinlich auch nur bei diesem einen bleiben, denn es fiel ihr unglaublich schwer, nur bei den belegten Fakten zu bleiben und die Texte so zu schreiben, dass diese sich am Ende auch noch gut lesen lassen.

Ihr Arbeitsalltag ist gut gefüllt und sie ist sehr diszipliniert. Jeden Tag recherchiert oder schreibt sie (je nachdem, in welchem Stadium sich die Geschichte gerade befindet) mehrere Stunden von morgens bis abends durch, aber bevor sie damit beginnt, läuft sie eine ausgiebige Runde, um den Kopf vollkommen freizubekommen. Ihre Geschichte schreibt sie stets chronologisch runter und teilt ab und an die Szenen durch einen Perspektivenwechsel auf.

In ihrer Freizeit liest sie ausgesprochen gerne, wenn auch nicht historische Romane. Bei denen könne sie einfach nicht abschalten, denn sie achtet beim Lesen unweigerlich aufs Schreibhandwerk und von Entspannung kann dann nicht mehr die Rede sein. Großartig findet sie zum Beispiel die Werke des Meisters Stephen King, dessen Art zu erzählen sie ehrlich bewundert. Vielleicht schreibt sie eines Tages auch mal eine Horror- oder gar eine Fantasygeschichte. Das fänd auch ich ehrlich interessant!

Warum sie überhaupt so leidenschaftlich gerne historische Geschichten erzählt, kommt in erster Linie daher, dass sie die Vergangenheit unglaublich spannend findet und gleichzeitig unfassbar schade, dass in den Schulen genau diese Epochen im Geschichtsunterricht großzügig ausgespart werden.

Sie hat es sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen und hofft, dass ihre Leser durch ihre Texte Spaß an der Vergangenheit bekommen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich erst durch Frau Gablés Romane das Englische Mittelalter, und mittlerweile durch “Das Haupt der Welt“ auch das frühe Deutsche, lieben gelernt habe, wobei diese längst vergangenen Epochen mehr als düster waren. Alles, was ich über diese Zeit weiß, weiß ich nur, weil ich ihre Romane gelesen habe und mein Wissenshunger ist durch sie nur noch größer geworden.

Wie ihr bestimmt an meinem Bericht merken könnt, hat mich dieses Treffen mehr als begeistert und ich hätte mich am liebsten noch viel länger mit ihr unterhalten.


An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Bastei Lübbe-Team für diese Möglichkeit und bei Frau Gablé für ihre kostbare Zeit bedanken!

© Olivier Favre

Rebecca Gablés aktueller Waringham-Roman

Rebecca Gable - Der Palast der Meere

London 1560:
Als Spionin der Krone fällt Eleanor of Waringham im Konflikt zwischen der protestantischen Königin Elizabeth I. und der katholischen Schottin Mary Stewart eine gefährliche Aufgabe zu. Ihre Nähe zur Königin schafft Neider, und als Eleanor sich in den geheimnisvollen König der Diebe verliebt, macht sie sich angreifbar.
Unterdessen schleicht sich ihr fünfzehnjähriger Bruder Isaac in Plymouth als blinder Passagier auf ein Schiff. Nach seiner Entdeckung wird er als Sklave an spanische Pflanzer auf der Insel Teneriffa verkauft. Erst nach zwei Jahren kommt Isaac wieder frei? unter der Bedingung, dass er in den Dienst des Freibeuters John Hawkins tritt. Zu spät merkt Isaac, dass Hawkins sich als Sklavenhändler betätigt? und dass sein Weg noch lange nicht zurück nach England führt …

 

Quelle: Bastei Lübbe

Kennzeichnungspflicht

Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links von Amazon.de. Solltet ihr über diese Links einen Kauf tätigen, erhalte ich im Gegenzug eine kleine Provision, die ich für die Instandhaltung meines Blogs verwende.
Der Preis des Produkts bleibt exakt so, als ob ihr das Produkt ohne Klick auf selbigen Link online bestellt hättet.

In diesem Beitrag verlinken ich zudem auf die Verlags-Webseite des Bastei Lübbe Verlags. Diesen Link setze ich freiwillig. Für die Inhalte der verlinkten Seiten übernehme ich keine Haftung.

You may also like

Hinterlasse einen Kommentar

* Mit dem Absenden deines Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten einverstanden. Um Missbrauch zu verhindern, speichert diese Webseite Name, E-Mail-Adresse, Kommentartext sowie IP-Adresse und den Zeitstempel des Kommentars. Detaillierte Informationen findest du in meiner Datenschutzerklärung.